Gefährdungsbeurteilung Reifenwechsel

Gefährdungsbeurteilung bei PKW-Radmontagen im Reifenhandel – Muskel-Skelett-Belastungen richtig bewerten

Gefährdungsbeurteilung bei PKW-Radmontagen im Reifenhandel – Muskel-Skelett-Belastungen richtig bewerten

Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen in KFZ-Werkstätten und im Reifenhandel. Besonders während der Saisonwechsel entstehen hohe Belastungen durch das Heben, Tragen und Montieren von PKW-Rädern.

Eine aktuelle Beurteilungshilfe der BGHW zeigt klar: Radmontagen liegen häufig im höchsten Risikobereich für Rückenbelastungen und erfordern sofortige Maßnahmen. Grundlage ist eine Bewertung mit den Leitmerkmalmethoden zur Beurteilung physischer Belastungen.

Warum Radmontagen ein unterschätztes Risiko sind

Während der Saison werden pro Monteur und Schicht typischerweise etwa 12 PKW mit je 4 Rädern gewechselt. Das bedeutet:

  • ca. 240 Hebevorgänge pro Schicht
  • Einzelgewichte von 18 kg bis 26 kg (SUV-Räder)
  • Transportwege bis zu 960 m Ziehen und Schieben pro Tag
  • Einsatz von Schlagschraubern mit Vibrationsbelastung

Diese Kombination führt zu hohen Belastungen für Rücken, Schultern und Gelenke – insbesondere bei Zeitdruck und ungünstiger Lagerorganisation.

Ergebnis der Bewertung: Hoher Risikobereich

1. Heben, Halten, Tragen

Die Bewertung mit der Leitmerkmalmethode zeigt häufig Risikobereich 4 – hohe Belastung. Eine körperliche Überbeanspruchung ist wahrscheinlich. Sofortige Maßnahmen sind erforderlich.

2. Ziehen und Schieben

Typischerweise Risikobereich 2 – mäßig erhöhte Belastung. Maßnahmen sind sinnvoll, um langfristige Schäden zu vermeiden.

3. Hand-Arm-Vibrationen

Bei üblichen Einsatzzeiten liegt die Belastung meist unter den Auslösewerten – dennoch sollten vibrationsarme Geräte eingesetzt werden.

Rechtliche Grundlage

Werkstattbetreiber müssen Muskel-Skelett-Belastungen beurteilen nach:

  • § 5 Arbeitsschutzgesetz
  • Lastenhandhabungsverordnung
  • Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung
  • DGUV-Regelwerken und Branchenregeln der BGHW

Die Beurteilungshilfe unterstützt dabei insbesondere die Schritte „Belastungen ermitteln“ und „Gefährdungen bewerten“ der Gefährdungsbeurteilung.

Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip

1. Technische Maßnahmen

  • mobile Radlifter und Radheber
  • Hebevorrichtungen an Wuchtmaschinen
  • Reifen-Transportkarren
  • Impulsschrauber oder vibrationsarme Geräte

Praxis-Ergebnis: Mit konsequentem Einsatz von Hebehilfen kann der Risikobereich deutlich reduziert werden.

2. Organisatorische Maßnahmen

  • Räder auf Ellbogenhöhe lagern
  • schwere Räder zu zweit heben
  • Transportwege verkürzen
  • Tätigkeitsrotation
  • Wartung von Transportkarren

3. Persönliche Maßnahmen

  • Unterweisung rückengerechtes Heben
  • Hebehilfen konsequent nutzen
  • arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten
  • Training der Rückenmuskulatur

Wichtig: Persönliche Maßnahmen ersetzen keine technischen Lösungen.

Typische Fehler in der Gefährdungsbeurteilung

  • Keine Bewertung der Saisonspitzen
  • Nur Unterweisung statt Technik
  • Ungünstige Lagerorganisation
  • Gefährdungsbeurteilung nicht aktualisiert
  • Lastgewichte nicht gemessen

So setzen Sie die Gefährdungsbeurteilung praktisch um

  1. Tätigkeiten aufnehmen (Montage, Transport, Lagerung)
  2. Lastgewichte messen
  3. Hebehäufigkeit erfassen
  4. Leitmerkmalmethode anwenden
  5. Maßnahmen festlegen
  6. Wirksamkeit prüfen

Wirtschaftlicher Nutzen ergonomischer Lösungen

  • weniger Kranktage
  • höhere Produktivität
  • motivierte Mitarbeiter
  • geringeres Haftungsrisiko
  • bessere Arbeitgeberattraktivität

Fazit

PKW-Radmontagen gehören zu den belastendsten Tätigkeiten in KFZ-Werkstätten. Eine strukturierte Gefährdungsbeurteilung und konsequente technische Maßnahmen schützen Mitarbeiter und Unternehmer gleichermaßen.

https://www.dguv.de/fbhl/sachgebiete/physische-belastungen/hilfen_gefaerdungsbeurteilung/index.jsp
Tags: No tags

Comments are closed.