Attraktiver Arbeitgeber – Sicherheit senkt Fluktuation

Attraktiver Arbeitgeber durch Sicherheit: Wie Arbeitsschutz Fluktuation senkt

In Zeiten von Fachkräftemangel und erhöhtem Wettbewerb um Talente wird Arbeitsschutz zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Ein sicherer Arbeitsplatz gehört – neben Vergütung und Work-Life-Balance – zu den zentralen Kriterien bei der Arbeitgeberwahl und wirkt deutlich fluktuationssenkend. Untersuchungen zeigen, dass Beschäftigte Jobangebote ablehnen, wenn sie mangelnde Sicherheit, fehlende Fürsorge oder unzuverlässige Arbeitsbedingungen wahrnehmen (z. B. Randstad Workmonitor 2023 und nachfolgende Pulse-Surveys).

Warum Arbeitsschutz heute entscheidend für Arbeitgeberattraktivität ist

Der Randstad Workmonitor 2023, für den weltweit über 35.000 Beschäftigte befragt wurden, zeigt: 92 % geben an, dass ihnen Jobsicherheit wichtig ist, und 63 % würden keinen Job annehmen, der diese Sicherheit nicht bietet (Randstad Workmonitor 2023, Global Overview). Damit liegt Jobsicherheit noch vor anderen Kriterien wie Gehalt und Zusatzleistungen.

Gleichzeitig verursacht jede Kündigung erhebliche Kosten. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weist darauf hin, dass zu Fluktuationskosten nicht nur Rekrutierung und Onboarding gehören, sondern auch Produktivitätsverluste, Wissensabfluss und Störungen im Team. Ergänzende betriebswirtschaftliche Analysen kommen – je nach Branche und Qualifikationsniveau – auf durchschnittlich fünfstellige Beträge pro Fluktuationsfall. Investitionen in Arbeitsschutz und Gesundheitsprävention zahlen somit direkt auf die Reduktion dieser Kosten ein.

Der Einfluss der Sicherheitskultur auf Fluktuation und Fehlzeiten

Eine ausgeprägte Sicherheits- und Gesundheitskultur wirkt sich messbar auf Fluktuation, Fehlzeiten und Unfallzahlen aus. Gallup zeigt in einer groß angelegten Meta-Analyse zu Engagement und Performance, dass Organisationseinheiten mit hoher Mitarbeiterbindung bis zu 63 % weniger Sicherheitsvorfälle und deutlich geringere Fehlzeiten aufweisen als Einheiten mit niedrigerem Engagement (Gallup, „The Relationship Between Engagement at Work and Organizational Outcomes“; zusammengefasst u. a. bei Gallup und in Fachkommentaren).

Gleichzeitig gewinnt psychologische Sicherheit an Bedeutung. Studien zur psychologischen Sicherheit belegen, dass Beschäftigte, die Bedenken und Fehler offen ansprechen können, engagierter sind und seltener zu Präsentismus neigen, also trotz Krankheit arbeiten und dadurch langfristig ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit gefährden. Führung, die Beteiligung fördert, Fehler konstruktiv behandelt und Belastungen früh adressiert, leistet damit einen direkten Beitrag zur Mitarbeiterbindung.

Wie Arbeitsschutz das Employer Branding stärkt und Recruiting erleichtert

Sicheres Arbeiten ist ein wichtiger Baustein im Employer Branding und Teil einer glaubwürdigen People-&-Culture-Strategie. In globalen Talent- und HR-Trendberichten, etwa den „Global Talent Trends“ von LinkedIn und dem „Workplace Learning Report“, wird deutlich, dass Bewerber:innen zunehmend eine Kultur der Fürsorge, flexible und gesunde Arbeitsbedingungen sowie verlässliche Rahmenbedingungen erwarten. Negative Erfahrungen mit Sicherheit und Gesundheit schlagen sich unmittelbar in Bewertungen auf Plattformen wie Kununu oder LinkedIn nieder und beeinflussen damit die Wahrnehmung der Arbeitgebermarke.

Managementsysteme nach EN ISO 45001 unterstützen Unternehmen dabei, Arbeitsschutz strukturiert in ihre Managementprozesse zu integrieren. Der Standard ISO 45001:2018 – und seine europäische Fassung EN ISO 45001:2023 – beschreibt Anforderungen an ein systematisches Management von Arbeitssicherheit und Gesundheit, um Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen zu verhindern und die OH&S-Performance kontinuierlich zu verbessern (ISO, „ISO 45001:2018 – Occupational health and safety management systems“; BSI, „ISO 45001 – Occupational Health & Safety“). Für das Recruiting ist eine Zertifizierung ein starkes Signal, dass Sicherheit und Gesundheit nicht nur „auf dem Papier“ stehen, sondern im Managementsystem verankert sind.

Praktische Hebel, um Fluktuation durch Arbeitsschutz zu reduzieren

  • Sicheres Onboarding: Starten Sie mit strukturierten Safety-Walks, Mentoring und digitalen Unterweisungen, um neue Mitarbeitende von Anfang an sicher einzuarbeiten und an die Sicherheitskultur heranzuführen.
  • Partizipation fördern: Setzen Sie auf Safety Circles, niedrigschwellige Gefahrenmelde-Kanäle (z. B. Apps) und Ideenprämien, um Mitarbeitende aktiv in die Verbesserung von Arbeitsbedingungen einzubeziehen.
  • Psychische Sicherheit ermöglichen: Etablieren Sie Angebote wie Employee Assistance Programs (EAP), Resilienz-Workshops und Führungskräftetrainings zu gesundheitsgerechter Führung, um Belastungen frühzeitig zu erkennen und zu adressieren.
  • Wertschätzung zeigen: Anerkennen Sie sicheres Verhalten z. B. durch „Safety Awards“ oder das Kommunizieren unfallfreier Zeiträume – wichtig ist dabei eine positive, nicht sanktionierende Feedback-Kultur.
  • Transparenz schaffen: Führen Sie verständliche Safety-Dashboards mit Kennzahlen wie Unfallhäufigkeit, Beinahe-Unfällen und Beteiligungsquoten ein und besprechen Sie diese regelmäßig im Dialog mit den Teams.

Abwicklung und Messung der Erfolge

Um die Wirksamkeit von Arbeitsschutzmaßnahmen zu bewerten, empfiehlt sich ein ganzheitliches KPI-System, das sowohl klassische Sicherheitskennzahlen als auch HR- und Engagement-Indikatoren berücksichtigt. Studien zu Engagement und Performance zeigen, dass Organisationen mit systematisch gemessener Sicherheit und hoher Mitarbeiterbindung von geringerer Fluktuation, weniger Sicherheitsvorfällen und höherer Produktivität berichten (Gallup-Meta-Analysen und aktuelle Workplace-Reports).

KPI Zielwert (Richtgröße) Nutzen
Turnover-Rate < 10 % (branchen- und qualifikationsabhängig) Senkung von Fluktuations- und Rekrutierungskosten.
Total Recordable Incident Rate (TRIR) kontinuierliche Senkung, z. B. < 1,0 in reifen Systemen Verbesserung des Sicherheitsimages und Erfüllung gesetzlicher Anforderungen.
Near-Miss-Quote hohe Meldequote, z. B. > 1 : 50 im Verhältnis zu Unfällen Früherkennung von Gefahren und Prävention schwerer Ereignisse.
Employee Net Promoter Score (eNPS) > 30 als ambitionierter Zielwert Stärkung des Employer Brandings und Hinweis auf hohe Bindung.
Presenteeism-Index < 15 % (abhängig von Branche und Tätigkeit) Förderung echter Produktivität statt „Anwesenheit um jeden Preis“.

Entscheidend ist, Kennzahlen regelmäßig zu monitoren, gemeinsam mit Führung und Interessenvertretungen zu interpretieren und Maßnahmen iterativ anzupassen, um die Mitarbeiterbindung nachhaltig zu stärken.

Ausblick: Arbeitsschutz als zentraler Wettbewerbsfaktor

Der Wettbewerbsdruck auf dem Arbeitsmarkt bleibt hoch, und Beschäftigte erwarten zunehmend sichere, flexible und gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen. Verschiedene Arbeitsmarkt- und HR-Trendstudien zeigen, dass sich diese Erwartungen durch demografischen Wandel, Fachkräftemangel und den Wertewandel jüngerer Generationen weiter verstärken werden.

Unternehmen, die Arbeitsschutz als integralen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur und Personalstrategie etablieren, sichern sich langfristige Vorteile bei Bindung, Produktivität und Attraktivität als Arbeitgeber. Arbeitsschutz geht damit weit über die reine Gesetzeserfüllung hinaus und wird zu einem strategischen Erfolgsfaktor, der Sicherheit, Gesundheit und Unternehmenskultur verbindet und den Unterschied im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte macht.

Quellen (Auswahl)

  1. Randstad: „Workmonitor 2023 – The voice of the talent“, Global Report.
  2. IAB-Forum: Beiträge und Grafiken zu Personalfluktuation und Arbeitsmarktentwicklung.
  3. Machtfit: „Kostenfaktor Fluktuationsrate – Was kostet eine Kündigung?“
  4. Gallup: Meta-Analyse „The Relationship Between Engagement at Work and Organizational Outcomes“ und „State of the Global Workplace“ Reports.
  5. Studien zu psychologischer Sicherheit und Präsentismus (z. B. Veröffentlichungen in arbeits- und organisationspsychologischen Fachjournalen).
  6. LinkedIn: „Global Talent Trends“ und „Workplace Learning Report“.
  7. ISO: „ISO 45001:2018 – Occupational health and safety management systems“.
  8. BSI Group: Informationen und Leitfäden zu ISO 45001-Zertifizierung.
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