Psychische Erkrankungen gehören längst zu den zentralen Gesundheitsthemen in der Arbeitswelt. Sie verursachen nicht nur lange Ausfallzeiten, sondern belasten Teams, Führungskräfte und ganze Organisationen spürbar. Der aktuelle DAK-Psychreport 2025 zeigt: Psychische Erkrankungen lagen 2024 auf Platz 3 der Erkrankungsgruppen mit den meisten Ausfalltagen; auf 100 Beschäftigte kamen 342 AU-Tage, die durchschnittliche Falldauer betrug 33 Tage.
Besonders deutlich wird die Tragweite beim Blick auf die volkswirtschaftlichen Folgen. Die BAuA beziffert die Produktionsausfallkosten durch psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen für das Jahr 2023 auf 20,5 Milliarden Euro. Für Unternehmen ist das ein klares Signal: Psychische Gesundheit ist kein Randthema, sondern ein wesentlicher Faktor für Leistungsfähigkeit, Stabilität und Arbeitgeberattraktivität. DEKRA
Psychische Belastungen nehmen den Betrieb mit
Die Zahlen aus dem DAK-Psychreport zeigen, wie stark psychische Erkrankungen die Arbeitswelt beeinflussen. 2024 entfielen 17,4 Prozent aller Fehltage auf psychische Erkrankungen; sieben Prozent der ausgewerteten Beschäftigten hatten mindestens eine Krankschreibung wegen einer psychischen Diagnose. Besonders häufig betroffen sind Mitarbeitende in der Kinderbetreuung und Altenpflege, also in Berufen mit hoher Verantwortung und starker emotionaler Belastung.
Auffällig ist auch die Dauer der Ausfälle. Während viele körperliche Erkrankungen eher kürzer verlaufen, führen psychische Erkrankungen häufig zu langen Krankschreibungen. Genau deshalb wirken sie sich nicht nur auf kurzfristige Einsatzpläne aus, sondern oft auch auf Projekte, Kundenbetreuung und die Zusammenarbeit im Team.
Gefährdungsbeurteilung bleibt Pflicht und Chance
Die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist das zentrale Instrument, um Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksam zu reduzieren. DEKRA weist darauf hin, dass nur 28 Prozent der Beschäftigten angeben, dass in ihrem Betrieb eine solche Beurteilung durchgeführt wird. Gerade in kleinen und mittleren Unternehmen bleibt hier oft noch viel Potenzial ungenutzt.
Eine gute psychische Gefährdungsbeurteilung ist dabei kein bürokratisches Pflichtdokument, sondern ein praxisnaher Prozess. Sie hilft, Belastungen sichtbar zu machen, Ursachen einzugrenzen und passende Maßnahmen abzuleiten. Dazu gehören etwa Arbeitsorganisation, Führungsverhalten, Kommunikationswege, Rollenklärung, Pausenregelungen und der Umgang mit Veränderungsprozessen.
Was Unternehmen konkret tun können
Wer psychische Belastungen ernst nimmt, gewinnt gleich mehrfach. Beschäftigte erleben mehr Stabilität und Wertschätzung, Führungskräfte erhalten bessere Orientierung und das Unternehmen reduziert Fehlzeiten, Fluktuation und Produktivitätsverluste. Wichtig ist dabei ein systematischer Ansatz, der nicht nur einzelne Symptome betrachtet, sondern die Arbeitsbedingungen insgesamt verbessert.
Sinnvolle Bausteine sind zum Beispiel:
- Mitarbeitendenbefragungen zur psychischen Belastung.
- Auswertung von Arbeitsabläufen, Schnittstellen und Rollenunklarheiten.
- Workshops mit Beschäftigten und Führungskräften.
- Ableitung und Priorisierung von Maßnahmen.
- Wirksamkeitskontrolle und Nachverfolgung.
So wird aus der Pflicht ein echter Mehrwert für Gesundheit und Organisation.
Warum das Thema jetzt so wichtig ist
Der DAK-Psychreport 2025 und der DEKRA Arbeitssicherheitsreport 2025 zeigen beide deutlich, dass psychische Belastungen in der Arbeitswelt weiter zunehmen beziehungsweise zu wenig systematisch bearbeitet werden. Gleichzeitig machen die BAuA-Zahlen klar, wie hoch die wirtschaftlichen Folgekosten sind. Unternehmen, die frühzeitig handeln, schützen nicht nur ihre Beschäftigten, sondern sichern auch ihre Zukunftsfähigkeit.
Psychische Gesundheit ist damit ein klassisches Thema für Prävention. Wer rechtzeitig hinschaut, kann Belastungen senken, Ressourcen stärken und langfristig ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen.
Fazit
Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz sind keine Ausnahmeerscheinung, sondern ein relevanter Bestandteil betrieblicher Gesundheitsrisiken. Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass Unternehmen Verantwortung übernehmen und psychische Belastungen systematisch in den Blick nehmen sollten. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist dafür das geeignete Instrument und zugleich ein wichtiger Schritt zu mehr Gesundheit, Motivation und Stabilität im Betrieb.
Wir unterstützen Unternehmen bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (GBU Psyche) mit einem praxisnahen, strukturierten Vorgehen. Dazu gehören die Analyse belastender Arbeitsbedingungen, Mitarbeitendenbefragungen, die Auswertung von Ergebnissen sowie die Entwicklung passender Maßnahmen zur Entlastung und Stärkung der psychischen Gesundheit. Ziel ist es, psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen, wirksam zu reduzieren und die Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit im Betrieb nachhaltig zu fördern.